Der Unternehmensverbund Lebenswege zeigte mit AssistenznehmerInnen und MitarbeiterInnen bei der Aktion "Rettungsschirme für alle" eine deutliche Haltung und eine starke Beteiligung.
Anlässlich des europäischen Protesttages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung hatte der Berliner Behindertenverband, der Sozialverband Deutschland, die
Initiative „Daheim statt Heim“ (www.bi-daheim.de) und weitere Behindertenverbände zu dieser Aktion aufgerufen. Mehr als 1.000 Demonstranten waren dem Aufruf gefolgt
und zogen vom Brandenburger Tor zum Bundeskanzleramt.
Download Tagungsdokumentation
Lebenswege-Aktion zum 5. Mai 2009
anlässlich des Europäischen Protesttages
zur Gleichstellung vom Menschen mit Behinderung
Lese-Event
„…bis ich erreicht habe, was ich will!“
Der Applaus verklang nur langsam, als Jacoba Neu mit einer Sonnenblume in der Hand zu ihrem Platz zurückkehrte.
Den meisten Zuhörern im völlig überfüllten Kultur-Salon des Schoeler-Schlösschens war anzumerken, wie sehr sie von dem ergriffen waren, was sie soeben gehört hatten.
Am Dienstag, dem 05. Mai veranstaltete Lebenswege zum Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung ein Lese-Event.
„…bis ich erreicht habe, was ich will!“ ist der Titel der Lesungsschrift, die Einblicke in die vielfältigen Lebenswege von Menschen mit Behinderungen und deren Angehörigen gewährt. Interviews und autobiografische Berichte erschließen sehr persönlich den Alltag und die Lebenswirklichkeit der Vortragenden. Diese waren Assistenznehmer der Lebenswege und ihre Mütter, die ihre Lebenserfahrungen öffentlich machten.
Dabei wurde deutlich, wie vielfältig ein Leben in Selbstbestimmung sein kann und was Menschen mit Behinderungen und ihre Familien in den letzten 5 Jahrzehnten erkämpfen mussten.

Ungläubig reagierte das Publikum, als Frau Göthe schilderte, welche Zustände sie in Berlin vorfand, als 1953 ihre Tochter mit schwersten Behinderungen geboren wurde: die Ärzte konnten keine Aussage zum Zustand ihrer Tochter machen, es gab nur eine Schule in Berlin und kaum Hauslehrer, Freizeitangebote und Arbeitsmöglichkeiten mussten zu diesen Zeiten von den gerade entstehenden Elternvereinen erkämpft werden.
In den Vorträgen der jüngeren Autoren wurde deutlich, dass diese Probleme heute längst gelöst sind. Dennoch enthielt jeder Text ganz persönliche Erfahrungen der Ausgrenzung aus der Gesellschaft. Diese reichen von baulichen Hürden, aufgrund derer viele Geschäfte oder Restaurants nicht genutzt werden können bis hin zu der Erfahrung, wegen der Behinderung keinen Studienplatz zu erhalten.
Bis zuletzt hätte man das Fallen einer Stecknadel hören können, denn die Vortragenden zogen das Publikum in ihren Bann.
So berührten die Texte nicht nur menschlich zutiefst. Vielmehr müssen sie als Dokumente gelesen werden, die nicht nur behindertenpolitische Themen, sondern unsere gesamte Gesellschaft betreffende Probleme im wahrsten Sinne des Wortes zur Sprache bringen.
Lesungsschrift zum Lese-Event am 5. Mai 2009 downloaden
Die Veranstaltung wurde gefördert durch:

Zu den ältere Beiträge gelangen Sie über das Archiv.